Frauen in Führung: Wie du deine Position klar einnimmst und souverän führst
Frauen in Führung sind für mich seit vielen Jahren ein besonderes Thema.
Nicht, weil ich glaube, dass Frauen grundsätzlich anders oder besser führen.
Sondern weil ich in Trainings und Coachings immer wieder Frauen erlebe, die fachlich stark sind, viel Verantwortung tragen und trotzdem an Stellen zögern, an denen sie ihre Position längst klar einnehmen könnten.
- Wie deutlich darf ich widersprechen?
- Wie klar darf ich eine Erwartung formulieren?
- Wie wirke ich, wenn ich eine Entscheidung konsequent vertrete?
- Muss ich härter auftreten, damit ich ernst genommen werde?
Genau an diesem letzten Punkt werde ich sehr deutlich:
Nein.
Du musst dich für eine Führungsrolle nicht verbiegen.
Führung braucht keine männliche Kopie
Die Vorstellung, Führung müsse vor allem dominant, hart oder möglichst unangreifbar wirken, hält sich erstaunlich hartnäckig. Ich halte wenig davon.
Gute Führung braucht Klarheit, Entscheidungsfähigkeit, Kommunikationsstärke, Empathie, Standfestigkeit und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Das sind keine männlichen oder weiblichen Eigenschaften. Das sind Führungskompetenzen.
Für mich geht es deshalb bei Frauen in Führung nicht darum, einen vermeintlich weiblichen Führungsstil zu entwickeln. Es geht darum, den eigenen Führungsstil bewusst zu gestalten und die eigene Rolle wirklich einzunehmen.
Klarheit macht dich nicht unnahbar
Gerade Frauen erzählen mir immer wieder, dass sie sehr genau abwägen, wie eine klare Aussage wirken könnte.
»Bin ich zu direkt?«
»Kommt das zu hart an?«
»Sollte ich es etwas freundlicher formulieren?«
Natürlich ist Wirkung wichtig. Aber Klarheit verliert ihren Wert, wenn eine Botschaft so vorsichtig formuliert wird, dass niemand mehr weiß, was eigentlich gemeint war. Eine Führungskraft darf Erwartungen aussprechen. Sie darf widersprechen. Sie darf Grenzen setzen. Sie darf Entscheidungen treffen und vertreten. Und sie darf dabei zugewandt bleiben.
Klarheit und Wertschätzung schließen sich nicht aus.
Das ist ein zentraler Bestandteil unseres Frauen in Führung Seminars: nicht künstlich härter aufzutreten, sondern Sprache, Standing und Führungskommunikation so zu entwickeln, dass beides zusammenkommt.
Die eigene Position einzunehmen, ist mehr als selbstbewusst aufzutreten
Positionierung wird manchmal mit Präsenz verwechselt. Natürlich ist es wichtig, in einem Meeting hörbar zu sein und den eigenen Beitrag nicht kleiner zu machen, als er ist. Aber Positionierung geht tiefer.
• Wofür stehst du als Führungskraft?
• Welche Entscheidungen gehören zu deiner Rolle?
• Wo erwartest du Verbindlichkeit?
• Welche Verantwortung gibst du ab und welche behältst du?
• Wie gehst du mit Widerstand um?
• Und wie möchtest du von deinem Team, deinen Kolleg und der nächsthöheren Führungsebene erlebt werden?
Wer darauf klare Antworten hat, tritt meist automatisch anders auf.
Nicht lauter.
Sondern klarer.
Solche Rollenfragen lassen sich auch im Führungskräfte Coaching sehr gezielt an konkreten Situationen aus dem eigenen Führungsalltag bearbeiten.
Sichtbarkeit ist kein Eigenmarketing
Auch bei diesem Begriff merke ich häufig Widerstand. Viele sehr kompetente Frauen möchten gute Arbeit leisten und erwarten verständlicherweise, dass diese Arbeit gesehen wird. Nur funktioniert Organisation nicht immer so. Entscheidungen über Projekte, Verantwortung oder den nächsten Karriereschritt entstehen auch daraus, wer mit welcher Kompetenz wahrgenommen wird.
Sichtbarkeit bedeutet deshalb für mich nicht, sich permanent selbst zu inszenieren.
Sie bedeutet, den eigenen Beitrag nicht unsichtbar zu machen, sondern sichtbar. Selbstverständlich!
Eine Idee sollte ganz selbstverständlich mit deinem Namen verbunden sein.
Dein Erfolg darf benannt werden.
Du darfst und sollst bitte in einer Entscheidungsrunde Position beziehen, auch wenn noch nicht alle derselben Meinung sind.
Und du darfst und sollst bitte Interesse an größerer Verantwortung klar und deutlich aussprechen. Na klar! Das nennt man Positionierung.
Gleichzeitig ist nicht alles eine Frage der persönlichen Entwicklung
Dieser Punkt ist mir wichtig.
Frauen sind in Spitzenpositionen deutscher Unternehmen weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Das DIW Managerinnen-Barometer 2026 zeigt beispielsweise für die Vorstände der 200 umsatzstärksten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors einen Frauenanteil von rund 19 Prozent. Das lässt sich nicht mit einem fehlenden Kommunikationstraining erklären. Forschung zeigt weiterhin, dass Geschlechterstereotype beeinflussen können, wie Frauen in Führungsrollen wahrgenommen und bewertet werden. Dabei können sowohl die Erwartung, wie Frauen vermeintlich seien, als auch Vorstellungen darüber, wie sie sich verhalten sollten, berufliche Bewertungen beeinflussen.
Deshalb gehören für mich immer zwei Ebenen zusammen:
Frauen dabei zu unterstützen, ihre Führungsrolle, Kommunikation und Positionierung gezielt weiterzuentwickeln. Und Unternehmen dabei zu unterstützen, Strukturen zu schaffen, in denen Kompetenz tatsächlich unabhängig vom Geschlecht erkannt und entwickelt wird.
Was HR konkret tun kann
Ein Entwicklungsangebot für Frauen in Führung sollte deshalb nicht lauten:
»Wir machen euch fit für eine männlich geprägte Führungswelt.«
Das wäre für mich der falsche Ansatz.
Sinnvoller ist die Frage:
Was brauchen unsere weiblichen Führungskräfte und Talente, damit sie ihre Kompetenz sichtbar und wirksam in Führung übersetzen können?
Das können Rollenklarheit, Führungskommunikation, Verhandlungssicherheit, Konfliktkompetenz, Sichtbarkeit oder emotionales Selbstmanagement sein. In einer längerfristigen Frauen in Führung Weiterbildung lassen sich genau diese Kompetenzen systematisch aufbauen, an realen Situationen erproben und anschließend in den Führungsalltag übertragen.
Mein Impuls für dich
Denk an eine Situation, in der du dich zuletzt zurückgenommen hast.
Vielleicht in einem Meeting. Bei einer Entscheidung. In einer Verhandlung. Oder in einem Gespräch, in dem du eigentlich klarer sein wolltest.
Und frag dich:
Was hätte ich gesagt oder getan, wenn ich meine Position klar eingenommen und nicht hinterfragt hätte?
Notiere dir Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmale, die dich in dieser Situation souverän getragen hätten. Ich bin mir sicher, dass Härte nicht dazu gehört.
Doris Amoon
Akademieleitung, Executive Coach & Senior-Trainerin
Schuppan Leadership Akademie
Wenn du das Thema Frauen in Führung vertiefen möchtest:
- Frauen in Führung Seminar
Für Frauen, die ihre Führungsrolle, Positionierung, Kommunikation und ihr Standing in anspruchsvollen Führungssituationen gezielt stärken möchten. - Frauen in Führung Weiterbildung
Vier aufeinander abgestimmte Module für Frauen, die Positionierung, Mitarbeiterführung, emotionale Souveränität und Konfliktkompetenz systematisch weiterentwickeln möchten. - Führungskräfte Coaching
Vertrauliches 1:1-Sparring für konkrete Fragen zu Führungsrolle, Positionierung, schwierigen Gesprächen, Entscheidungen und persönlicher Führungswirkung.